Dienstag, 7. Mai 2013

In den Norden: Vall de Boquer und Pollenca

Urlaub im Nordosten Mallorcas, 1.-12. Mai 2013 (7/12)






Um eine Bucht weiter nördlich in die Badia de Pollenca nach Port de Pollenca zu gelangen, müssen wir erstmal das rummelige, massentouristisch geprägte Gebiet von Port d’Alcudia durchqueren. Dort sieht es ziemlich grauenvoll aus, Bettenburgen, Geschäfte und Discotheken aneinandergereiht, dagegen ist Can Picafort geradezu harmlos. Ein lästiges Problem, auf das wir im Urlaub immer wieder stoßen, sind - ich muss es leider sagen - die Fahrradfahrer, vor allem die bunt gewandeten Rennradfahrer; das verleidet uns sogar, selber Räder auszuleihen. Viele von ihnen sind Verkehrshindernis und Gefahrenquelle in einem, weil sie sich in großem Stil nicht an Verkehrsregeln halten, neben- statt hintereinander fahren (auch wenn sie nicht im Pulk unterwegs sind), zudem oft mitten auf der Straße (auch wenn eine Radspur farblich abgetrennt ist), nicht anhalten, wenn Fußgänger einen Zebrastreifen überqueren, und Wanderwege benutzen, die Fußgängern vorbehalten sind. Ziemlich ätzend. Genauso werden sie zuhause Auto fahren, mutmaße ich.


 





In Port de Pollenca angekommen, das sich, den Inschriften an Geschäften und Restaurants nach zu urteilen, offenbar fest in englischer Hand befindet, stellen wir den Wagen ab. Wir wählen einen Spaziergang durch das Vall de Boquer, das am Anfang der Formentor-Halbinsel zwischen zwei felsigen Höhenzügen nordwärts bis ans Meer verläuft. Der gut begehbare Fußweg passiert eine Finca und dramatische Felsformationen, alte Mauern und Wasserleitungen. Wir begegnen vornehmlich britischen Vogelfreunden mit Ferngläsern, gewaltigen Objektiven und Teekannen. Mit ihrem Fish & Chips-T-Shirt, den rötlichen Haaren und Sommersprossen wird R. bestimmt auch für eine Engländerin gehalten. Links und rechts des Weges tauchen immer wieder halbwilde Ziegen zwischen den Sträuchern und in der Ferne auch Schafe auf.




Das letzte Stück des Weges ist etwas beschwerlicher, auf unwegsameren Pfaden geht es (vorbei an einer toten Ziege, halb Kadaver, halb Skelett) bergab zu einer schmalen, märchenhaften Bucht, an deren Kieselstrand sich außer uns nicht mal ein halbes Dutzend andere Menschen aufhalten. Jetzt fehlt nur noch ein Piratenschiff oder eine Schmugglerbande, und die Kulisse für den nächsten Abenteuerfilm wäre perfekt. Am östlichen Ende der Bucht kommt eine steil abfallende Anhöhe zum Vorschein, die wie eine Insel wirkt, aber nur der Ausläufer des nächsten Kaps, Punta Nau, ist. Dort stauen sich die landeinwärts ziehenden Wolken. Einer amerikanischen Touristin und ihrem Sohn biete ich an, ein Foto von ihnen zu machen. Das wird dankend angenommen (mein erstes Foto mit einem Mobiltelefon). Derweil rettet R. einen auf den Rücken gefallenen Laufkäfer.





Zurück in Port de Pollenca spazieren wir noch etwas an der von Kiefern flankierten Waterfront mit ihren hübschen Häusern entlang. Wir hören nur englisch sprechende Leute, so dass wir uns fast im walisischen oder englischen Sommerurlaub wähnen. Wir beobachten entenähnliche, startende und landende Wasserflugzeuge und vermuten, dass es Löschfluzgzeuge der örtlichen Feuerwehr sind. Anschließend geht es mit dem Auto weiter nach Pollenca. Obwohl der Ort, der zwischen einem kleineren Kalvarienberg und einem höheren Klosterhügel liegt, offensichtlich ein beliebtes Ausflugsziel ist, davon zeugen auch die vielen Schnickschnackläden und Restaurants, hat er sich doch mit den vielen engen Gassen und der alten Bebauung seinen Charme bewahrt.









Treppenerprobt (ich sage nur: Wohnung im vierten Stock) erklimmen wir in der größten Mittagshitze („Immerhin müssen wir kein Kreuz tragen“, beschwichtige ich die Liebste) die hundertfünfzig steilen Stufen des Kalvarienbergs mit einigen schönen Ausblicken links und rechts der Treppe. Die österreichischen Mädels, die wir überholen, fluchen viel mehr. Beim anschließenden Streifzug durch die Gassen von Pollenca - R. schaut schon mal in den einen oder anderen Laden hinein, ohne etwas zu kaufen - landen wir schließlich im Innern eines schlichten Cafés, draußen ist es uns zu voll und lärmig. Dort gönnen wir uns einen Kaffee und einen Schokoladenkuchen. An der Wand ein Foto des Cafés im Winter mit reichlich Schnee. Danach sieht es heute nicht aus.








Auch in den Städten gibt es reichlich Tierbegegnungen, hier sind es Katzen und Hunde: Der Balkonhund, die sich sonnende Katze, der Hund mit den unterschiedlich farbigen Augen. Und die weiße Katze, der wir schon auf dem Hinweg begegnet sind, hütet jetzt in der Siesta einen schönen Haushaltswarenladen, in dessen Schaufenster sie sich niedergelassen hat. Beim Verlassen der Stadt passieren wir einen leer stehenden Gebäudekomplex, den wir uns allerdings nur von außen ansehen und der seine ursprüngliche Bedeutung nicht preisgibt. Für die Rückfahrt wählen wir diesmal eine landeinwärts gelegene Variante, vorbei an Kartoffel- und Artischockenfeldern in der Ebene, so dass wir dem größten Touristenrummel aus dem Weg gehen. Heute bin ich wegen der angestiegenen Temperaturen so platt, dazu kommen die ersten Kopfschmerzen des Urlaubs, dass mich R. weder vor noch nach dem Abendbrot noch einmal vor die Türe bekommt und selbst zum Einkaufen alleine losziehen muss . 







Als Filme haben wir im Gepäck die DVD "Vaterland" (D 2002, +/++), eine sehenswerte Dokumentation von Thomas Heise über Straguth in Sachsen-Anhalt, Luftwaffenstützpunkt im Dritten Reich, in der DDR und im wiedervereinten Deutschland, sowie die erste Staffel der hoch gelobten TV-Serie "Girls" (USA/HBO 2012, 0). Viel versprechend, als kritische, intelligente und sozialrealistische Antwort auf "Sex And The City" (also eine der übelsten Serien/Filme des letzten Jahrzehnts) gehandelt, enttäuscht sie mich dennoch. Nach vier, fünf Folgen habe ich die Nase voll. Vielleicht verstehe ich von den Witzen und kulturellen Anspielungen zu wenig, vielleicht bin ich nur zu alt dafür. Aber ich finde die Charaktere der Hauptfiguren uninteressant und unsympathisch, Handlung ist Fehlanzeige, nur übersexualisiertes Gerede. Das ist "Sex And The City" für junge, urbane Akademikerinnen, also nichts für mich.